Von The Franc Reporter · Stand: 02.11.2026, 06:30
Fliegst du mit Swiss, musst du mit teureren Tickets rechnen. Das kündigt Swiss-Chef Jens Fehlinger an. Der Grund: Swiss hat bis Ende 2026 noch 80 Prozent ihres Treibstoffs zu günstigeren Preisen abgesichert. Anfang 2027 sind es nur noch 50 Prozent. Der ungeschützte Teil wächst damit von einem Fünftel auf die Hälfte.
Das sagte Fehlinger der «SonntagsZeitung», wie die Agentur AWP berichtet (cash.ch, 01.11.2026). Swiss müsse «die gestiegenen Kerosinkosten über höhere Ticketpreise kompensieren». Wie stark die Preise steigen, könne er nicht beziffern. Das hänge von Angebot und Nachfrage ab. Die Kundschaft sei derzeit aber bereit, einen Teil der Mehrkosten zu tragen.
Kerosin ist stärker gestiegen als Öl
Wie gross der Druck ist, zeigt der Kerosinpreis-Monitor des Airline-Verbands IATA. In der Woche bis 23.10.2026 kostete ein Fass Flugtreibstoff in Europa im Schnitt 206.92 Dollar. Ein Fass sind rund 159 Liter. Das ist 127.2 Prozent mehr als im Durchschnitt des Vorjahres. Rohöl der Sorte Brent legte im gleichen Vergleich 75 Prozent zu. Kein anderer Weltteil zahlte mehr als Europa. In Asien waren es 179.48 Dollar.
Der Grund liegt zwischen Bohrloch und Tank: in der Raffinerie. Die Differenz zwischen Rohöl und fertigem Kerosin heisst Crack Spread. Laut IATA lag sie bei 75.77 Dollar pro Fass, 260.2 Prozent über dem Vorjahresschnitt. Das heisst: Wird Rohöl billiger, sinkt Kerosin nicht automatisch im gleichen Mass. Wie knapp der Treibstoff auch hierzulande ist, zeigte schon die Freigabe aus den Schweizer Kerosin-Pflichtlagern (unser Artikel vom 01.11.2026).
Unsere Rechnung: rund 130 Franken mehr pro Strecke nach New York
Wie viel Kerosin steckt in einem Ticket? Lufthansa Airlines, die Schwester der Swiss, brauchte 2025 im Schnitt 3.46 Liter pro Passagier und 100 Kilometer. Das steht in ihrer Umwelterklärung 2026. Von Zürich nach New York sind es Luftlinie rund 6'300 Kilometer. Das ergibt rund 218 Liter pro Person und Strecke, etwa 1.4 Fass.
Zum europäischen Preis der IATA-Woche kostet diese Menge rund 284 Dollar. Das sind etwa CHF 234, umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 30.10.2026 (0.8230 Franken pro Dollar). Zum Vorjahresschnitt wären es rund CHF 103 gewesen. Der Unterschied: rund CHF 130 pro Strecke, hin und zurück gut CHF 260. Nach Barcelona, rund 860 Kilometer weit, sind es nur rund CHF 18 pro Strecke. Die Rechnung ist eine Annäherung: Luftlinie statt echter Route, Durchschnittsverbrauch von Lufthansa Airlines statt Swiss, ohne die Wirkung der Absicherung. Swiss muss die Mehrkosten nicht ganz weitergeben, ein Ticket wird also nicht um den ganzen Betrag teurer.
[KASTEN: Kerosin pro Passagier. Zürich–New York: rund 218 Liter. Kosten zum Preis der Woche bis 23.10.2026: rund CHF 234, zum Vorjahresschnitt rund CHF 103. Zürich–Barcelona: rund CHF 18 Mehrkosten pro Strecke. Annahmen: Durchschnittsverbrauch Lufthansa Airlines 2025, Luftlinie, EZB-Kurs 30.10.2026. Eigene Berechnung The Franc.]
Echte Routen sind länger als die Luftlinie, und der Verbrauch hängt von Flugzeug und Auslastung ab. Die Grössenordnung zeigt die Rechnung trotzdem: Je länger der Flug, desto mehr Kerosin steckt im Preis. Unsere Einschätzung: Gibt Swiss die Mehrkosten weiter, trifft das Langstrecken weit stärker als Städteflüge.
Solange die Absicherung greift, zahlt Swiss für einen grossen Teil des Kerosins einen früher vereinbarten Preis. Doch dieser Puffer schrumpft. Ungeschützt waren bisher 20 Prozent, ab Anfang 2027 sind es 50 Prozent, also zweieinhalbmal so viel. Wie teuer das schon jetzt ist, zeigt die Konzernmutter: Die Lufthansa-Gruppe gab im ersten Halbjahr 2026 EUR 4.18 Mrd. für Treibstoff aus, 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (Halbjahresbericht, 31.07.2026).
Wann dein Preis fix ist
Hast du einen reinen Flug schon gekauft und bezahlt, darf die Airline den Preis in der Regel nicht nachträglich erhöhen. So erklärt es ein Experte im Leserchat von SRF. Anders ist es bei Pauschalreisen, also etwa Flug und Hotel zum Gesamtpreis (Art. 1 Pauschalreisegesetz). Hier darf der Veranstalter den Preis erhöhen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind. Der Vertrag muss das ausdrücklich vorsehen und die Berechnung genau angeben. Die Erhöhung muss mit höheren Beförderungskosten begründet sein, Treibstoff eingeschlossen. Und sie muss mindestens drei Wochen vor der Abreise kommen (Art. 7).
Steigt der Preis um mehr als zehn Prozent, gilt das als wesentliche Vertragsänderung (Art. 8 Abs. 2). Dann kannst du ohne Entschädigung vom Vertrag zurücktreten und dein Geld zurückverlangen (Art. 10). Bei einer Pauschalreise für CHF 3'000 liegt diese Schwelle bei CHF 300.
[KASTEN: Pauschalreise und Kerosin. Preiserhöhung nur mit Klausel im Vertrag, mit Begründung und spätestens drei Wochen vor Abreise (Art. 7 Pauschalreisegesetz). Mehr als 10 Prozent: Rücktritt ohne Entschädigung möglich (Art. 8 und 10).]
Was kommt als Nächstes
Am 03.11.2026 legt die Lufthansa-Gruppe ihren Bericht zum dritten Quartal vor (Finanzkalender im Halbjahresbericht). Dann zeigt sich, was der Sommer an Kerosin gekostet hat und ob der Konzern eine neue Absicherungsquote für 2027 nennt. Am selben Morgen um 08:30 veröffentlicht das Bundesamt für Statistik die Teuerung für Oktober.
Allgemeine Information, keine Anlageberatung.