Von The Franc Reporter · Stand: 02.11.2026, 06:45

Heizt du mit Gas, hast du vom Energiepreisanstieg dieses Herbsts bisher wenig gemerkt: Gas war im September laut Bundesamt für Statistik (LIK September 2026) 3 Prozent billiger als vor einem Jahr, Heizöl 65 Prozent teurer. Doch die deutschen Speicher, an denen auch die Schweiz hängt, starten nur zu 61.6 Prozent gefüllt in den Winter. Das Ziel ist verfehlt.

Die Zahl stammt von der Bundesnetzagentur. In ihrer Lagebewertung vom 30.10.2026 meldet sie 152.4 Terawattstunden (TWh) Gas in den deutschen Speichern. Das sei «deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre». Zum 01.11.2026 müssen die meisten deutschen Speicher zu 80 Prozent voll sein, für sechs gelten 45 Prozent, schreibt der Speicherverband INES. Er sieht darin ein deutliches Signal, die Instrumente zur Wintervorsorge weiterzuentwickeln, und unterstützt eine Speicherpflicht für Lieferanten.

Den Grund nennt Reuters: Der Iran-Krieg trieb die Preise so hoch, dass sich das Einspeichern im Sommer nicht lohnte. Die Agentur schreibt von Rekordtiefs. Berlin bleibt trotzdem ruhig. Die Bundesnetzagentur hält es für die Versorgung «nicht zwingend», dass die Ziele erreicht werden. Pipelines, Flüssiggas-Terminals und Speicher wirkten zusammen, die Gefahr einer angespannten Lage sei «gering». Im selben Bericht steht aber auch: «Ein vergleichsweise niedriger Speicherfüllstand am Ende des Winters ist wahrscheinlich.»

Warum dich das in der Schweiz betrifft

Die Schweiz hat keine eigenen saisonalen Gasspeicher. Sie ist laut dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) «vollständig auf Importe und Speicherkapazitäten im Ausland angewiesen». Der Bundesrat verpflichtet deshalb die fünf regionalen Gasnetzbetreiber zu einer Reserve. Mindestens 15 Prozent des durchschnittlichen Schweizer Jahresverbrauchs müssen in den Jahren 2026 und 2027 jeweils irgendwann zwischen dem 01.10. und dem 01.12. in Speichern lagern (Art. 2 Abs. 2 der Verordnung SR 531.82). Laut der Krisenorganisation der Gasbranche (KIO, Q&A vom 30.03.2026) sind das rund 6 TWh, eingelagert in Speichern im Ausland.

Unsere Rechnung: Die ganze Schweizer Pflichtreserve entspricht knapp 4 Prozent dessen, was derzeit in deutschen Speichern liegt. Die Schweiz ist ein kleiner Kunde in einem grossen, knappen System. Wird es im Norden eng, zählt weniger die eigene Reserve als die Frage, ob genug Gas über den Einspeisepunkt Wallbach AG ins Land fliesst.

Genau dafür hat die Branche vorgesorgt. Seit dem 01.10.2026 steht die Option «ITA.SWAPtion.26» bereit: Gas, das aus Frankreich über Oltingue bei Basel durch die Schweiz nach Italien fliesst, darf im Notfall hier bleiben. Sie deckt laut BWL «ungefähr einen Zehntel des Winterverbrauchs» und läuft bis 31.03.2027. Bereitgestellt haben sie Axpo und OpenEP. Bezahlt wird sie von allen Gaskundinnen und Gaskunden: Für ein Einfamilienhaus mit 20 Megawattstunden Jahresverbrauch schätzt das BWL (Medienmitteilung vom 20.08.2026) die Mehrkosten auf zwei bis drei Franken. Über die sechs Monate Laufzeit sind das höchstens 50 Rappen pro Monat. Als sogenannte ungeschützte Kunden wären Industrie und Gewerbe laut BWL bei einer schweren Gasmangellage früher von Einschränkungen betroffen.

Der Preis kommt mit Verspätung

Bleibt die Rechnung. Im Landesindex der Konsumentenpreise stand Gas im September bei 97.8 Punkten (Dezember 2025 = 100), unverändert gegenüber August. Heizöl stieg im selben Monat um 8.2 Prozent, aufs Jahr um 65 Prozent (BFS, publiziert 01.10.2026). Ob höhere Grosshandelspreise bei den Kunden ankommen, hängt laut Bundesnetzagentur von der Dauer des Konflikts, der Beschaffung der Lieferanten und den Verträgen ab.

Unsere Einschätzung: Heizöl kaufst du zum Tagespreis, Gas zum Tarif deines lokalen Versorgers. Die Ruhe im Gas-Index ist deshalb aus unserer Sicht keine Entwarnung. Tarife werden in der Regel seltener angepasst als Tagespreise. Die Bundesnetzagentur hält tiefe Füllstände am Winterende für wahrscheinlich; diese Speicher müssen danach wieder gefüllt werden.

Wie es beim Heizöl und Diesel aussieht, wo die Schweiz gerade ihre Pflichtlager anzapft, haben wir im Artikel zu OPEC und Pflichtlagern aufgeschrieben.

Was als Nächstes zählt: Di 03.11.2026, 08:30: Das BFS publiziert die Teuerung für Oktober und damit den ersten Gaspreis nach Beginn der Heizsaison (BFS-Agenda). Bis 01.12.2026: Frist für die Schweizer Pflichtreserve. Bis 31.03.2027: Laufzeit der Transitgas-Option.

Allgemeine Information, keine Anlageberatung.

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