Von The Franc Reporter · Stand 03.11.2026, 15:45
Für jeden Franken, den Kantone und Gemeinden 2024 für Abfall, Wasser, Grundbuch oder Fahrzeugprüfung ausgaben, kamen laut EFV im Schnitt nur 73.6 Rappen über Gebühren zurück. Den Rest finanzieren sie aus anderen Einnahmen. Nur beim Strassenverkehrsamt ist es umgekehrt: Dort nahmen die Kantone mehr ein, als der Betrieb kostete.
Das zeigen neue Daten der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV) vom 03.11.2026. Die EFV misst seit 2008, wie stark vier Bereiche aus Gebühren finanziert sind: Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt, allgemeines Rechtswesen, Wasser und Abwasser sowie Abfall. 2024 deckten die Gebühren laut EFV 73.6% der Kosten. Im Vorjahr waren es 74.2%, 2008 noch 75.4%. Die EFV nennt das «langfristig weitgehend stabil».
Rund 204 Franken pro Kopf
Stabil in Prozent heisst nicht stabil in Franken. Wir haben die Basisdaten der EFV für alle 26 Kantone samt Gemeinden zusammengezählt. 2024 gaben sie für die vier Bereiche rund 7.0 Mrd. Franken aus. An Gebühren nahmen sie rund 5.2 Mrd. Franken ein. Die Lücke beträgt damit rund 1.84 Mrd. Franken, 2008 waren es rund 1.48 Mrd. Franken.
Auf die 9'051'029 Einwohnerinnen und Einwohner Ende 2024 (Bundesratsbeschluss, BBl 2025 2545) verteilt, sind das rund 204 Franken pro Person. Für eine vierköpfige Familie macht das rechnerisch rund 815 Franken. Diesen Betrag tragen Kantone und Gemeinden aus ihren übrigen Einnahmen. Unsere Einschätzung: Unter dem Strich ist das vor allem Steuergeld.
Der Mechanismus: Eine Gebühr bezahlt eine bestimmte Leistung, etwa den Kehrichtsack oder den Eintrag im Grundbuch. Nach dem Kostendeckungsprinzip darf der Gesamtertrag solcher Abgaben die Kosten des Verwaltungszweigs nicht übersteigen. So beschreibt es die EFV in ihrem Konzeptpapier zum Gebührenindex, gestützt auf die Rechtsprechung. Was die Gebühren nicht decken, zahlt die Allgemeinheit.
Wo die Lücke wächst
Am stärksten gewachsen ist sie beim allgemeinen Rechtswesen. Dazu zählen laut EFV unter anderem Grundbuchamt, Handelsregister, Passbüro, Einwohnerkontrolle und Zivilstandsamt. Hier deckten die Gebühren 2024 noch 61.4% der Kosten. 2008 waren es 69.4%. In Franken hat sich die Lücke nach unserer Rechnung fast verdoppelt: von rund 540 Mio. auf rund 1.03 Mrd. Franken. Bei Wasser und Abwasser lag die Deckung 2024 bei 76.2%, beim Abfall bei 72.2%.
Beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt lag der Wert bei 111.9%. Die Kantone nahmen dort rund 511 Mio. Franken an Gebühren ein, bei Kosten von rund 458 Mio. Franken. Das ist kein Ausreisser: Schon 2008 stand der Wert bei 111.9%. Wer ein Auto einlöst, zur Prüfung fährt oder einen Führerausweis bestellt, bezahlt im Schnitt also mehr, als das Amt kostet. Die EFV hält allerdings fest, dass die Grenze von 100% wegen methodischer Fragen nicht absolut zu lesen ist.
Zwischen den Kantonen gehen die Werte weit auseinander. Über alle vier Bereiche reicht die Deckung 2024 von 39.1% in Genf und 42.4% in Uri bis 90.0% in Glarus. Solche Vergleiche hinken aber. Seit 2008 zählen öffentliche Betriebe wie Wasserwerke oder Kehrichtverbrennungsanlagen nicht mehr zum Staat, wenn sie mehr als die Hälfte ihrer Kosten am Markt decken. Wo ein Kanton solche Aufgaben ausgelagert hat, fehlen Gebühren in der Statistik. In Genf decken Gebühren bei Wasser und Abwasser laut den Basisdaten nur 8.4% der Kosten. Die Werte deines Kantons findest du im Dashboard der EFV.
Was als Nächstes zählt: Die EFV aktualisiert die Daten weiterhin jedes Jahr. Den nächsten ausführlichen Bericht zum Gebührenindex plant sie für 2029.
Allgemeine Information, keine Anlageberatung.